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enthalten waren; und es ist im Gegentheil gewifs, dafs sie erst bei dem Auslaugen aus dem Cyankalium, bei der Gegenwart von geringen Mengen Eisen, entstanden sind, indem, wie auch Liebig in seiner Theorie der Blutlaugensalzbildung (Annal. der Chemie und Pharm. Bd. XXXVIII Heft 1.) ausführlicher anführt, das Blutlaugensalz schon in der Rothglühhitze zersetzt, und stets erst beim Auslaugen des mit Eisen, Eisenoxyd oder Schwefeleisen gemengten Cyankaliums gebildet wird, indem, wenn die Flüssigkeit nur mässig erwärmt ist, sich schon Eisen, da Wasser zersetzt wird, mit Wasserstoffentwickelung auflöst, der Sauerstoff einen Theil des Kaliums in Kali verwandelt und das mit dem Kalium zu Cyankalium verbunden gewesene Cyan an das Eisen abtritt, welches nun als Cyaneisen in die Verbindung des Cyankaliums eingeht, und dieses in Blutlaugensalz verwandelt. Geschieht diese Auflösung kalt, so wird zwar kein Wasser zersetzt, wohl aber häufig Sauerstoff aus der Luft absorbirt.

Da ferner Cyankalium keinen Augenblick bei Gegenwart von Luft geschmolzen werden kann, ohne dafs sich nicht ein Theil in cyansaures Kali verwandelte, dagegen die Auflösung des letztern sich schon bei der ge ringsten Erwärmung zersetzt, indem kohlensaures Kali und entweichendes Ammoniak gebildet werden; daun aber auch das Cyan des Cyankaliums bei Gegenwart von freiem Kali in ebenfalls entweichendes Ammoniak und Ameisensäure beim Auflösen zerfällt, so erklärt Vorhergehendes vollkommen die Bildung sämmtlicher neben dem Cyankalium in der ausgelaugten Masse enthaltenen Salze, wie auch die von Hrn. Zincken, nach dem Uebergiefsen der kohligen Masse mit Wasser und dem darauf folgenden Ausscheiden der verschiedenen Salze beobach tete reichliche Entwicklung von Ammoniak.

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Es bleiben daher nur noch einige Fragen über die Bildung des Cyans selbst bei den in dem Hohofen stattgefundenen Bedingungen übrig.

Betrachten wir nun die für die Bildung des Cyans bekannten und namentlich in der neuern Zeit von Liebig aufgestellten Wege. Nach der ersten wird während des Glühens von stickstoffhaltigen Körpern mit überschüssiger Kohle und kohlensaurem Kali, Kalium gebildet, welches mit den stickstoffhaltigen Körpern zusammenschmilzt, und diesen ihren Stickstoff, indem es zugleich Kohlenstoff aufnimmt, entzieht, welche letzteren zu Cyan, und dieses wieder mit dem Kalium zu Cyankalium verbinden.

Die andere Art ist die, dass Ammoniak gebildet wird, indem entweder stickstoffhaltige Körper durch schmelzendes Kali zerstört werden, oder dafs stickstoffhaltiger Sauerstoff, also Luft, mit überschüssigem Wasserstoff verbrennt, das so gebildete Ammoniak dann über ein Gemenge von glühenden Kohlen und geschmolzenem Kali geleitet wird, wobei, wie Langlois und Kuhlmann (Ann. d. Chem. u. Pharm. Bd. XXXVIII Heft 1.) durch Versuche in der neuesten Zeit gezeigt haben, durch die Einwirkung der Kohlen auf das Ammoniak Blausäure und Wasserstoff gebildet werden. Die Blausäure zersetzt dann wieder das geschmolzene kohlensaure Kali in Cyankalium, Wasser und Kohlensäure.

Vergleicht man die hier zur Bildung des Cyans angeführten Bedingungen, mit denen, welche im Hohofen stattgefunden haben, so findet man zwar alle bei der ersten Bildungsweise beschriebenen, den Elementen nach, hier wieder, doch unter einigen anderen Verhältnissen.

Dort wurde nämlich der Stickstoff in fester Form, und zwar gleich in Verbindung mit dem Kohlenstoff, dem Kalium dargeboten, während wir im Hohofen durchaus keine andere Quelle, als in der durch das Gebläse in den Ofen geführten Luft, für den Stickstoff finden.

Es bleibt daher in diesem Falle kein anderer Weg für die Bildung des Cyans übrig, als dafs der Stickstoff der Luft, begünstigt durch Druck und äusserst hohe Tem

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peratur, sich direct mit dem Kohlenstoff des gebildeten Kohlenkaliums vereinigt, und so Cyan und Cyankalium gebildet habe; welche Entstehungsweise auch schon durch eine ältere Angabe von Desfosses (Mag. f. Pharm. Bd. XXIV S. 55), wonach Cyan durch Ueberleiten von atmosphärischer Luft über ein glühendes Gemenge von kohlensaurem Kali und Kohle gebildet werden soll, bestätigt wird.

Dieses höchst interessante Vorkommen des Cyans unter den mannigfachen Producten des Hohofens läfst hoffen, da zu der im Vorhergehenden entwickelten einfachen Bildung des Cyans fast in jedem Gebläsefeuer alle Bedingungen vorhanden sind, die Bildung von Cyan bei den meisten Hüttenprocessen, besonders in den Schlakken, als Cyankalium und cyansaures Kali verfolgen zu können.

Dr. C. Bromeis in Cassel.

IX. Notiz über basisch chromsaure Salze;
von August Bensch.

Tröpfelt man in kochende Lösungen neutraler Metall

salze nach und nach eine Auflösung von neutralem chromsauren Kali, so findet im Anfange keine Trübung statt, jedoch zeigen sich auffallende Farbenveränderungen, und allmälig bilden sich Niederschläge. So z. B. geht die Farbe des Kupfervitriols durch Grün in Gelb über, und indem das Gelb in's Rothe übergeht, bildet sich ein brauner Niederschlag, der zuletzt dunkel rothbraun wird. Die Auflösung des schwefelsauren Manganoxyduls wird hellbraun, darauf dunkelbraun, und es setzt sich ein intensiv schwarzes Pulver ab. Quecksilberchlorid wird hochroth, es bildet einen gelben Niederschlag, der nach Poggendorff's Annal. Bd. LV.

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und nach eine dem Zinnober fast gleiche Farbe annimmt. Schwefelsaures Zinkoxyd wird röthlich, es bildet sich ein Niederschlag von ausgezeichnet schön gelber Farbe. Beim salpetersauren Nickeloxyde finden fast dieselben Erscheinungen wie beim Kupfervitriole statt. Die grüne Farbe des neutralen schwefelsauren Chromoxyds geht durch neutrales chromsaures Kali in dunkel Rothbraun über, und setzt einen schmutzig gelben Niederschlag ab u. s. w.

Werden die Niederschläge nur mit kaltem Wasser ausgewaschen, so enthalten sie stets noch mehr oder weniger Kali, diefs kann jedoch durch oft wiederholtes Auskochen völlig daraus entfernt werden. Durch das Auskochen sowohl, wie durch das Auswaschen mit kaltem Wasser, werden Auflösungen saurer Salze von höchst tingirenden Eigenschaften erhalten, Ich bin mit der Untersuchung dieser Auflösungen und der Niederschläge beschäftigt. In Betreff letzterer hat sich herausgestellt, dafs sie sämmtlich basischer Natur sind; ich führe für jetzt nur die Resultate der Analyse des Manganoxydulsal

zes an.

750 Milligrm. des schwarzen, bei 100° C. getrockneten Niederschlages gaben:

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Woraus sich die Formel Mn2 Cr+2H ergiebt. Beim Glühen verliert das Salz das Wasser völlig, es entweicht Sauerstoffgas und der Rückstand ist braun.

Unter den Salzen ist wohl besonders merkwürdig das basisch chromsaure Chromoxyd. Das basisch chromsaure Zinkoxyd möchte als Malerfarbe eine Anwendung finden.

X. Verhältnisse, in welchen die schwefelsaure Kali-Thonerde mit Wasser sich verbinden kann; con C. Hertwig.

Das Verhältnifs, in welchem die schwelsaure Kali-Thon

erde mit Wasser gewöhnlich verbunden vorkommt, spricht sich in der als Alaun bekannten Verbindung aus, in welcher 1 Aequiv. Doppelsalz mit 24 Aequiv. Wasser verbunden sind:

[KaS+A[S3]+H2a ̧'

Die Bildung, so wie das Bestehen des Alauns ist aber nur an die gewöhnlich vorhandenen Bedingungen gebunden; diese sind für die Bildung eine bestimmte Quantität Wasser, so dass sich die Verbindung in Krystallform ansscheiden kann, denn nur in dieser kann sie existiren; und für das Bestehen der Verbindung eine, die gewöhnliche wenig übersteigende Temperatur und Ausschlufs aller die chemische Constitution störenden Agentien.

Beim Ueberschreiten der Gränzen, innerhalb welcher die Verbindung nur bestehen kann, mufs sich daher auch das Verhältnifs, in welchem das Doppelsalz zum Wasser steht, entweder nur verändern, oder es mufs ganz aufgehoben werden.

Die dieses Verhältnifs störenden Agentien sind hauptsächlich die concentrirte englische Schwefelsäure, vermöge ihrer Verwandtschaft zum Wasser, und die Wärme. Die Einwirkungen derselben sollen nun näher untersucht werden.

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